Grenzt für manche an Magie- ist aber im Grunde schnell zu erlernen: Der Umgang mit einem Kompass.
Warum sollten wir, wenn wir ernsthaft in der Natur unterwegs sind, immer eine Karte und einen Kompass dabeihaben? Diese Frage höre ich in Kursen immer wieder. Schließlich trägt heute fast jeder ein Handy mit GPS-Funktion bei sich.
Es gibt dabei zwei entscheidende Knackpunkte: Die Akkulaufzeit und die GPS-Verfügbarkeit. . Im schlimmsten Fall geht uns der Akku aus oder ich habe in ungünstiger Landschaft kein GPS Signal (Berge/dichtes Blätterdach). Dann können Karte und Kompass lebensrettend sein.
Grundsätzliche Kompasswahl für Outdoor und Survival

Ähnlich wie beim Outdoormesser gibt es auch bei der Wahl des Kompass eine große Auswahl an möglichen Modellen und Herstellern. Wir schauen uns heute drei Modelle an, welche im Outdoorbereich sehr beliebt sind. Auch hier gibt es zu beachten, dass die verschiedenen Modelle jeweils für einen bestimmten Zweck konstruiert worden sind. Daher stellt sich für uns die Frage, was ein Kompass primär können muss – denn nach magnetisch Norden zeigen sie alle. Hier ist aber beim Kauf darauf zu achten, dass der Kompass für die Nordhalbkugel, meist als NH oder MN- gekennzeichnet, gebaut wurde! Analog dazu gibt es nämlich Modelle für die Südhalbkugel (SH oder MS). Wer auf der sicheren Seite sein möchte, greift zu einem Modell, das in allen Magnetzonen funktioniert (GLOBAL). Wir benötigen für Deutschland also einen für die Nordhalbkugel oder GLOBAL.
Mils, Strich oder Grad – was ist die beste Skalierung für Outdooraktivitäten?
Für die allermeisten Zwecke ist eine Gradeinteilung 0- 360° die beste Wahl. Alternativ gibt’s auch Kompasse mit Zehnerschnritten 1-36°. Beim Navigieren mit der Grad Skalierung geht man davon aus, dass Norden bei 0° liegt, Osten bei 90°, Süden bei 180° und Westen bei 270. So kann ich am Kompass die Haupthimmelsrichtungen sehr schnell ablesen.
Das ist besonders praktisch, wenn wir mit Kompass und z. B. Handy oder GPS üben. In den Apps werden in der Regel Peilungen in Grad angezeigt. So können wir uns beim üben selbst kontrollieren.
Es gibt auch Kompasse welche z.B. eine Richtungsskala in Mil haben, diese werden vorzugsweise beim militärischen Zielpeilungen verwendet, wenn es wirklich sehr genau sein muss, z.B. für Artilleriebeschuss. Anstatt 360° ist die Kompassrose in 6400 Mil aufgeteilt. Somit entspricht ein Mil ungefähr 0,056 Grad!
Die Bundeswehr nutzt die Strich Einteilung auf der Kompassrose. Das heißt anstatt 360° oder 6400 Mil haben wir eine 64er Aufteilung. Das ist praktisch im Feld, um Richtungen schnell und doch hinreichend genau anzugeben.
Grad, Mil und Strich sind also verschiedene Wege, einen Kreis (die Kompassrose) aufzuteilen.

Welches Kompassmodell kann was? – Überblick
Wir wollen nun die Vor- und Nachteile der beliebtesten Modell im Outdoorbereich betrachten.
Peilkompass
Plattenkompass
Spiegelkompass
Eines vorweg: Die Wahl des Kompasses ist – genau wie die Wahl des Messers – auch eine Geschmacksfrage. Und das ist schon das Gute: Ich kann mit jedem der drei Modelle navigieren, doch kommen wir zu den Details.
Der Plattenkompass (Kartenkompass)

Der Plattenkompass RANGER von SILVA (diese Bauart wird auch Kartenkompass genannt) ist wohl einer der meistverkauften Kompasse der Welt. Er funktioniert global, ist einfach zu bedienen und vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Der RANGER ist ein Kompass, der im Grunde alles erfüllt was wir für das Navigieren über kurze bis mittlere Strecken benötigen. Er hat eine durchsichtige Grundplatte, welche einem beim Arbeiten mit der Karte sehr entgegenkommt, eine Lupe und eine Skalierung in den üblichen Kartenmaßstäben 1:50000 und 1:25000. So lassen sich Entfernungen präzise aus der Karte lesen.
Wie die alternative Bezeichnung “Kartenkompass” schon vermuten lässt ist er eben genau dafür gemacht. Ich nehme in der Karte eine Peilung und übertrage diese dann “ins Gelände”/lege damit meine Laufrichtung (Marschzahl/Kompasszahl) fest. Möchte ich jedoch Objekte anpeilen welche sich in etwas größerer Entfernung im Gelände befinden, wird es allerdings schwierig da mir die Möglichkeit eines konkreten Anpeilens mittels Kimme/Korn o.ä. fehlt.

Der Peilkompass

Der Peilkompass ist -in der hier zu sehenden Form- ein unter vielen verschiedenen Namen verkauftes sehr günstiges Modell, welches im Original für den militärischen Einsatz entwickelt wurde. Der Kompass erfreut sich aufgrund seines Preises bei Einsteigern großer Beliebtheit. Er besteht aus einem Metallgehäuse und hat dadurch eine gewisse Robustheit, allerdings auch deutlich mehr Gewicht als ein Plattenkompass. Im Grunde haben wir hier das komplette Gegenteil zum Plattenkompass in der Hand. Peilungen im Gelände sind aufgrund des Aufbaus ein Kinderspiel und sehr exakt abzulesen. Dazu peilt man lediglich über das Fadenkreuz ein Objekt an und kann dann direkt die Peilung im frontal angebrachten Sichtfenster ablesen.

Der Haken an der Sache ist allerdings, dass der Kompass sehr empfindlich auf etwaige Schräglagen reagiert. Deshalb ist im rechten unteren Bereich eine Wasserwaage zum austarieren integriert, sowie an der Unterseite ein Gewinde für die Montage auf einem Stativ. Ein Übertrag aus der Karte ins Gelände ist schwieriger und das Kartenpeilen aufgrund des Metallgehäuses und der sehr kurzen Anlegekante nur bedingt bzw. nur für Kurzstrecken geeignet

Der Spiegelkompass

Last but not least betrachten wir einen sogenannten Spiegelkompass. Der Spiegelkompass ist für viele (ich zähle mich dazu) die eierlegende Wollmilchsau. Viele Outdoor-Profis im angloamerikanischen Raum nutzen entweder den hier abgebildeten Suunto MC-2 Global oder ein ähnliches Produkt. Durch die transparente Bodenplatte kann man sehr gut in der Karte arbeiten. Dabei fungiert der ausgeklappte Spiegel als Verlängerung der Peilachse und ermöglicht auf der Karte noch längere Peilungen als der Plattenkompass. Die Peilung im Gelände ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da man die Kompassrose über den Spiegel quasi seitenverkehrt einstellen muss. Dadurch dass aber zwei klar definierte Kimmen (je nach Höhenlage der Peilung zu nutzen) im Sichtbereich angebracht sind, kann man sehr gut Objekte in großer Entfernung und auch Höhe anpeilen.

Der Suunto hat ebenfalls eine Skalierung im Maßstab 1:50000 und 1:25000 zur Ermittlung der Entfernung und der eigenen Position. Ebenso hat er eine Lupe die beim Betrachten kleinerer Symbole / Texte in der Karte hilft. Man kann mit diesem Modell auch die Steigung im Gelände messen, das ist aber auch bei einigen teureren Platten- und Peilkompassen möglich. Der Spiegel macht diesen Kompass für uns zu einem echten „Multi-Use“-Objekt in der Ausrüstung. Der kann im Notfall zum Signal geben oder auch zur Kontrolle des eigenen Körpers (Gesicht, Rücken, Auge …) genutzt werden. Der große Haken ist, dass dieser Kompass der mit Abstand teuerste von den hier gezeigten ist
Fazit – welcher Kompass ist der richtige?
Den perfekten Kompass für sich zu finden, ist nicht so einfach. Eine echte Abkürzung gibt es hier nur eine: ausprobieren. Es gibt Leute die es z.B. hassen mit einem Spiegelkompass zu peilen, das mag ich aber total. Ich empfehle daher am Anfang nicht zu viel Geld zu investieren. Ein guter Plattenkompass z.B. von SILVA oder SUUNTO reicht für die allermeisten Szenarien und zum üben mit der Karte vollkommen aus. Wer sich bei der Kaufentscheidung unsicher ist und einen Kurs bei Kienspan und Kompass gebucht hat, kann alle drei Modelle vor Ort in Ruhe ausprobieren.









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