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Survival-Tarzan navigiert mit Karte und Kompass

Mit Karte und Kompass kann man nicht nur Piratenschätze finden, sondern bei einer Wanderung auch wieder sicher nach Hause kommen.

Wer Karte und Kompass richtig benutzen kann, ist auch ohne GPS sicher unterwegs. Gerade bei schlechtem Wetter, leerem Akku oder fehlendem Empfang sind klassische Navigationsmittel oft die zuverlässigere Wahl. Welche Kompassarten es gibt und wofür sie geeignet sind, habe ich in einem separaten Artikel zusammengefasst.

Einen Kompass und eine Karte als Backup dabei zu haben, kann in einer Notlage also Gold wert sein. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie wir grundsätzlich mit Karte und Kompass ein Ziel ansteuern können, das wir zwar auf der Karte, aber nicht direkt in der Landschaft sehen.

In unserem Beispiel gehen wir davon aus, dass wir wissen wo wir uns befinden und wo wir hin möchten.

Unser Szenario:
Wir befinden uns an dem rot markierten Aussichtspunkt. Ein Unwetter kündigt sich an, und wir möchten so schnell wie möglich zu der eingezeichneten Schutzhütte gelangen.

Übersichtskarte mit markiertem Aussichtspunkt und Schutzhütte
Übersichtskarte mit Aussichtspunkt & Schutzhütte


Wir betrachten zwei mögliche Wege, wie wir die Schutzhütte erreichen können, obwohl wir sie von unserem Standort aus nicht sehen. Zunächst aber die Grundlagen. .

Grundlagen zur Kompassbedienung

Wer noch unsicher ist, welcher Kompass für welchen Zweck geeignet ist, findet hier eine Übersicht der gängigen Kompasstypen.

Wenn wir einen Kompass -egal welches Modell- haben, wissen wir zuverlässig wo Norden ist. Wenn wir einige Regeln beachten. Die Anzeige der Kompassnadel kann beeinflusst werden von:

  • Metall, Bauwerke aus Eisen und Beton
  • Magnetarmbänder, Handys usw.
  • zu geringe Distanz zu Störquellen (mind. ca. 50 m Abstand zu Hochspannungsleitungen)
  • Luftblasen im Kompass (ACHTUNG: machen ihn ggf. unbrauchbar)
  • schräges Halten des Kompasses (er muss waagerecht gehalten werden)

    Schon ein einzelner dieser Punkte kann dazu führen, dass der Kompass nicht nach magnetisch Nord, sondern in eine beliebige andere Richtung zeigt.
    Bei einem Kurs hatte ein Teilnehmer ständig eine andere Peilung als der Rest der Gruppe. Der Grund: In der Jackentasche – exakt auf Höhe des Kompasses – befand sich ein Handy. Das reichte aus, um die Nadel um mehrere Grad abzulenken.
Plattenkompass mit Kompassnadel, Hundehütte und Ablesemarke
Kompass mit Beschriftung (Hund, Hundehütte, Ablesemarke)

Schon ein einzelner dieser Punkte kann dazu führen, dass der Kompass nicht nach magnetisch Nord, sondern in eine beliebige andere Richtung zeigt.
Bei einem Kurs hatte ein Teilnehmer ständig eine andere Peilung als der Rest der Gruppe. Der Grund: In der Jackentasche – exakt auf Höhe des Kompasses – befand sich ein Handy. Das reichte aus, um die Nadel um mehrere Grad abzulenken.

Grundlage zum Kartenlesen

In der Regel besitzen unsere Wanderkarten ein UTM-Gitter (Universal Transverse Mercator).
Diese Nord-Süd- und Ost-West-verlaufenden Gitternetzlinien erleichtern das Einnorden der Karte erheblich. Zwar ist das für eine Peilung nicht zwingend notwendig, erleichtert aber das Orientieren im Gelände deutlich.

Dazu stellen wir die „Hundehütte“ (das rote Häuschen auf der Kompassrose) auf 0° an der Ablesemarke.
Die Kompassnadel ist dementsprechend „der Hund“.

Nun legen wir die Längsseite des Kompasses an eine Nord-Süd-Gitterlinie und drehen die Karte so lange, bis die Kompassnadel parallel zu den Nord-Süd-Gitterlinien liegt.
Jetzt haben wir unsere 2D-Karte mit der 3D-Umwelt in Übereinstimmung gebracht.

Kompass parallel zu Nord-Süd-Gitterlinien auf der Karte
Kompass parallel zu Nord-Süd-Gitterlinien

Oben auf der Karte ist nun – wie eingestellt – immer Norden.
Bei unserem Plattenkompass entspricht das
.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Kartenmaßstab, der der Kartenlegende zu entnehmen ist. In unserem Fall 1 : 25 000.
Das bedeutet: 1 cm auf der Karte entspricht 250 m im Gelände.

Die meisten Kompasse besitzen Skalen für 1 : 25 000 und 1 : 50 000, mit denen sich Entfernungen direkt messen lassen. Zusätzlich haben UTM-Gitterlinien einen Abstand von 1 km, sodass wir Entfernungen auch ohne Kompass gut abschätzen können.

Kartenmaßstab und UTM-Gitter zur Entfernungsmessung
Maßstab / UTM-Gitter / Entfernungsmessung

Variante 1 – Navigation mit Karte ohne exakte Peilung

Diese Variante ist die „quick and dirty“-Lösung und eignet sich auch dann, wenn wir zwar eine Karte, aber keinen Kompass zur Verfügung haben.

Wir müssen dazu lediglich die Haupthimmelsrichtungen erkennen – entweder mit improvisierten Mitteln (z. B. Sonnenkompass) oder mit einem Kompass. Diese improvisierten Mittel setzen aber freie Sicht zum Himmel (Tag oder Nacht voraus).

Wir erkennen auf der Karte, dass im Osten ein Weg (Weg 2) von Nord nach Süd verläuft. Dieser Weg dient uns als Stopplinie.
Das bedeutet: Wir laufen geradeaus nach Osten, bis wir den Weg erreichen – dann stoppen wir.

In diesem Fall ist es nicht kritisch, wenn wir einige Grad Abweichung haben. Solange wir überwiegend Richtung Osten gehen, erreichen wir den Weg. Es genügt, regelmäßig auf den Kompass zu schauen, um die Richtung zu halten.

Haben wir Weg 2 erreicht, folgen wir ihm einfach nach Norden bis zur Schutzhütte. Fertig.

Navigation mit Stopplinie auf der Karte – Variante 1
Stopplinie (Variante 1)

Variante 2 – exakte Peilung mit Karte und Kompass

Diese Variante ist etwas aufwendiger, dafür aber der direkte Weg. Wenn keine Stopplinie vorhanden ist, ist dies oft der einzige sichere Weg, ein Ziel zu erreichen – etwa wenn jemand verletzt ist und wir die kürzeste Strecke benötigen.

Direkte Marschlinie vom Standort zum Ziel auf der Karte
Direkte Verbindung Standort → Ziel

Wie gehen wir vor?

Wir messen mit dem Kompass einen Winkel. Dafür benötigen wir drei Punkte:

  • unseren Standort
  • unser Ziel
  • einen Referenzpunkt (magnetisch Nord)

Der Kompass wird an unserem Standort angelegt, und eine Kante wird als direkte Linie zum Ziel ausgerichtet.
Die Kompassnadel zeigt weiterhin nach Norden, die Hundehütte jedoch nicht mehr – sie zeigt nun Richtung Schutzhütte.

Kompass angelegt – Hundehütte zeigt Richtung Ziel
Kompass angelegt, Hundehütte zeigt parallel zum Ziel

Ich sage in meinen Kursen immer: „Der Hund kommt in die Hundehütte.“
Wir drehen also die Kompassrose so lange, bis Kompassnadel und Hundehütte wieder übereinstimmen. Dadurch ändert sich an der Ablesemarke der Winkel – hier von 0° auf 67°, gerundet 68°.

Ablesen der Marschrichtung am Kompass – 67,5 Grad
Ablesen des Winkels (67°)
Detailansicht der Peilung mit Karte und Kompass
Wiederholung / Detailansicht Peilung

Die praktische Anwendung

Die Karte kann nun zunächst eingepackt werden.
WICHTIG: Die Kompassrose wird ab jetzt nicht mehr bewegt.

Wir halten den Kompass waagerecht vor den Körper und drehen uns so lange, bis Hund und Hundehütte wieder übereinander liegen.
Nun schauen wir über den Pfeil an der Kompasskante – das ist unsere Marschrichtung.

Dieser Pfeil zeigt direkt auf ein Objekt in der Landschaft, z. B. einen Baum. Dieser Baum ist unser erster Anlaufpunkt.
Haben wir ihn erreicht, stellen wir uns direkt an seine Rückseite, richten den Kompass erneut aus und peilen den nächsten Punkt an – so lange, bis wir die Schutzhütte erreicht haben.

Fazit

Um ein Ziel sicher anzulaufen, das wir nur auf der Karte sehen, messen wir den Winkel zwischen magnetisch Nord, unserem Standort und unserem Ziel. Das ist im Kern das gesamte Geheimnis.

Je nach Region muss zusätzlich die Missweisung (Abweichung zwischen magnetisch Nord und geografisch Nord) berücksichtigt werden.
Bei kurzen Distanzen wie hier (ca. 1,5 km) kann diese in Deutschland jedoch vernachlässigt werden. Wir können uns merken: 1° Abweichung von der Peilung bedeutet auf 1 km , dass wir 17m am Ziel vorbei laufen.

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