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Survival Tarzan mit Kompass auf einer Wiese

Mit der Kreuzpeilung weißt Du immer, wo Du gerade bist!

Wie finde ich meine Position mit einer Kreuzpeilung?

Jetzt möchten wir mit Hilfe von Kompass und Karte herausfinden, wo wir uns genau in der Landschaft beziehungsweise auf der Karte befinden.

Das ist besonders hilfreich, wenn wir uns unserer Position nicht mehr sicher sind – zum Beispiel, weil wir längere Zeit nicht auf die Karte geschaut haben.

Wenn ihr euch mit den Grundlagen der Kompassarbeit noch nicht beschäftigt habt, schaut gerne zuerst in die vorherigen Artikel:

Dort werden die grundlegenden Funktionen eines Kompasses erklärt.


Die praktische Anwendung

Unsere Ausgangssituation ist folgende:

Wir befinden uns irgendwo auf diesem Wanderweg und möchten herausfinden, wo genau wir uns befinden. Das kann zum Beispiel wichtig sein, um abzuschätzen, wie weit wir noch bis zu unserem Ziel gehen müssen.

In der Landschaft sehen wir zwei markante Objekte, die wir eindeutig identifizieren können:

  • eine Kirche
  • einen Fernsehturm

Das könnten natürlich auch andere markante Punkte sein, zum Beispiel:

  • Bergspitzen
  • markante Felsen
  • Funkmasten
  • Türme oder Gebäude
  • manchmal sind auch besondere Bäume in den Karten vermerkt

Aus urheberrechtlichen Gründen verwenden wir wieder eine selbst erstellte Karte, in der lediglich diese beiden o.g. markanten Gebäude eingezeichnet sind. Die verwendeten Symbole sind übrigens nicht genormt und können von Kartenhersteller zu Kartenhersteller unterschiedlich sein.

Übersichtskarte mit Fernsehturm und Kirche zur Kreuzpeilung
Karte mit den relevanten Landmarken

Wichtiger Hinweis

Windräder sind keine zuverlässige Orientierungshilfe!
Die Karten können gar nicht so schnell aktualisiert werden, wie sich die Anzahl durch Zu- und Abbau ändert.
Für eine Peilung sollten daher möglichst stationäre und eindeutig erkennbare Objekte verwendet werden.


Variante 1 – Rückwärtseinschneiden

Wenn ich mich bereits auf einer klar definierten Linie befinde, reicht oft eine einfache Peilung.
Diese Methode wird in der Navigation Rückwärtseinschneiden oder auch Back Bearing genannt.
Dabei wird eine Peilung auf ein markantes Objekt genommen und auf der Karte rückwärts verlängert, bis sie eine bekannte Linie wie einen Weg oder ein Gewässer schneidet.

Solche Linien können zum Beispiel sein:

  • ein Wanderweg
  • eine Waldkante
  • ein Fluss oder Bach
  • eine Straße

Hier weiß ich also bereits ungefähr, wo ich mich befinde – nur nicht exakt.

In unserem Beispiel befinden wir uns auf einem Wanderweg.

Deshalb reicht eine Peilung auf ein eindeutig identifizierbares Objekt. In unserem Fall ist das der Fernsehturm.

Fernsehturm zur Standortbestimmung mit Karte und Kompass
Der Fernsehturm ist eine eindeutige Landmarke

Schritt 1 – Objekt anpeilen

Ich peile den Fernsehturm an, indem ich über die Peilkante beziehungsweise Kimme meines Kompasses auf das Objekt schaue.

Anschließend wird die Kompassrose so lange gedreht, bis:

„der Hund in der Hundehütte“ steht

Der Spiegel des Kompasses hilft dabei, schnell zwischen der Kompassrose und dem angepeilten Objekt zu wechseln, ohne den Kompass absetzen zu müssen.

Peilung mit Spiegelkompass auf markantes Objekt in der Landschaft
Der Turm wird über die Kimme angepeilt und danach wird die Peilung an der Kompassrose eingestellt.

Schritt 2 – Peilung ablesen

Wir erhalten eine Peilung von 90°.

Peilung 90 Grad am Kompass ablesen Navigation Karte Kompass
Jetzt wird die Peilung abgelesen

Schritt 3 – Peilung auf die Karte übertragen

Diese Peilung übertragen wir nun auf die eingenordete Karte.

Die Kompasskante wird dabei an den eingezeichneten Fernsehturm gelegt und entlang der Peilrichtung eine Linie gezogen.

An der Stelle, an der diese Linie den Wanderweg schneidet, befindet sich unsere Position.

Peillinie vom Fernsehturm auf Karte eingezeichnet Standortbestimmung
Der Schnittpunkt von Peilung und Wanderweg ist unsere Position

Variante 2 – Kreuzpeilung

Wann ist eine Kreuzpeilung sinnvoll?

Eine Kreuzpeilung ist besonders sinnvoll, wenn:

  • du dich nicht auf einer klar definierten Linie wie einem Weg befindest
  • du nicht genau weißt, wo du bist
  • kein GPS verfügbar ist
  • du markante Punkte in der Landschaft erkennen kannst

Dann benötige ich mindestens zwei markante Punkte, die ich anpeilen kann.

Der Ablauf ist folgender:

  1. Peilung auf das erste Objekt
  2. Peilung auf ein zweites Objekt
  3. Übertragung beider Peilungen auf die Karte

Schritt 1 – Erste Peilung

Zuerst peilen wir – wie zuvor – den Fernsehturm an und übertragen die Peilung auf die Karte.


Schritt 2 – Zweite Peilung

Als zweites Objekt peilen wir den Kirchturm an.

Optimal wäre es, wenn die beiden Objekte aus unserer Perspektive ungefähr im 90-Grad-Winkel zueinander liegen. Dadurch wird die Positionsbestimmung besonders genau.

In der Praxis muss man jedoch meist mit den Objekten arbeiten, die in der Landschaft sichtbar sind.

Kirchturm mit Kompass anpeilen Kreuzpeilung Navigation
Die Kirche wird analog zum Fernehturm angepeilt

Schritt 3 – Peilung ablesen

Für den Kirchturm erhalten wir eine Peilung von 48°.

48 Grad Peilung am Kompass für Kreuzpeilung bestimmen
Der Turm hat eine Peilung von 48° von unserer Position aus

Schritt 4 – Peilung auf die Karte übertragen

Auch diese Peilung wird nun auf die eingenordete Karte übertragen.

Wir erhalten eine zweite Linie.

Zweite Peillinie vom Kirchturm auf Karte eingezeichnet
Die zweite Peilung wird ebenfalls eingetragen

Der Schnittpunkt

Der Punkt, an dem sich beide Linien schneiden, ist unsere Position.

Diese Methode nennt man Kreuzpeilung.

Sie ist eine der klassischen Methoden der terrestrischen Navigation und funktioniert völlig ohne GPS.

Schnittpunkt zweier Peilungen bestimmt Standort auf Karte
Am Schnittpunkt beider Linien ist unser Standort

Was passiert, wenn sich die Linien nicht exakt schneiden?

In der Praxis schneiden sich Peillinien selten exakt an dem Punkt an welchem wir uns befinden.
Schon kleine Messfehler von wenigen Grad können dazu führen, dass ein kleines Dreieck entsteht.

Dieses sogenannte Peildreieck zeigt den Bereich, in dem sich unsere tatsächliche Position befindet.

Je kleiner dieses Dreieck ist, desto genauer ist unsere Positionsbestimmung.

Um die Genauigkeit zu erhöhen, kann man:

  • eine dritte Peilung auf ein weiteres Objekt durchführen
  • oder den Mittelpunkt des Dreiecks als eigene Position annehmen.

Merksatz für die Kreuzpeilung

„Zwei Peilungen geben einen Punkt – drei Peilungen geben Sicherheit.“


Fazit

Mit Hilfe von Karte und Kompass lässt sich der eigene Standort relativ genau bestimmen, auch wenn kein GPS-Gerät zur Verfügung steht. Wer zusätzlich lernen möchte, wie man GPS-Koordinaten direkt aus einer Karte bestimmen kann, findet dazu eine Anleitung im Artikel
GPS-Koordinaten aus Karte bestimmen

Die Kreuzpeilung ist besonders hilfreich, wenn:

  • wir uns nicht auf einem Weg befinden
  • wir unsere Position nicht mehr genau kennen
  • GPS-Signal oder Smartphone nicht verfügbar sind

Voraussetzung ist lediglich, dass wir mindestens zwei markante Punkte in der Landschaft eindeutig identifizieren können.

Mit etwas Übung lässt sich der eigene Standort so auf wenige Dutzend Meter genau bestimmen.


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