Warum sollte man immer einen Firesteel dabeihaben?
Sicher: Ein Messer ist wichtig (siehe auch unseren Artikel über Outdoormesser), aber ein Feuer kann in vielen Situationen entscheidender sein. Denn in unserer Prioritätenliste steht der Schutz vor Auskühlung – also Wärmeerhalt – gerade in Mittel- und Nordeuropa ganz oben. Hier kann ein Firesteel in Verbindung mit einer Rettungsdecke der Gamechanger sein!
Gerade bei einer ungeplanten Nacht draußen entscheidet Feuer oft über Komfort oder Kälte.
In diesem Artikel schauen wir uns daher ein Werkzeug an, das in der Outdoor- und Bushcraft-Szene sehr beliebt ist: den Firesteel.
Manche nennen ihn auch Bushcraft-Feuerzeug oder einfach Feuerstahl.
Die Frage ist:
Warum sollte man ihn immer dabei haben?
Die klare Antwort:
Damit wir jederzeit ein Feuer entzünden können. Ein Firesteel ist ein zuverlässiges Werkzeug, mit dem du auch bei Nässe und Kälte Feuer machen kannst – vorausgesetzt, du beherrschst die richtige Technik.

Firesteel vs. Feuerzeug und Streichhölzer – Vor- und Nachteile im Vergleich
Natürlich könnte man sagen:
„Ich habe doch ein Feuerzeug oder Streichhölzer.“
Das stimmt – aber jede Methode zur Feuererzeugung hat ihre Schwächen.
Feuerzeug – die typischen Probleme
- kann sich im Rucksack unbemerkt entleeren wenn der Gasknopf nicht gesichert ist (durch einen anderen Ausrüstungsgegenstand im Rucksack unbemerkt gedrückt)
- kann beschädigt werden (beim Sturz der Rucksacks) und Gas verlieren
- keine Kontrolle über den Füllstand (wenn das Feuerzeug aus undurchsichtigem Kunststoff besteht)
- funktioniert bei Kälte oft schlecht oder gar nicht (abhängig vom Gasfüllstand und Temperatur)
- erfordert Feinmotorik
Gerade im Winter kann es passieren, dass das Gas nicht mehr richtig zündet.
Streichhölzer – anfällig für Feuchtigkeit
- werden nass → unbrauchbar
- Zündfläche kann beschädigt werden
- müssen erst trocknen
- brechen ab
- erfordern Feinmotorik
Das gilt im Grunde auch für Feuerzeuge:
Nässe ist ein großes Problem
Fallen wir mit Streichhölzern oder Feuerzeug ins Wasser (Kanutour oder Gewässerüberquerung) sind beide in der Regel vorübergehend nicht mehr nutzbar.
Der Firesteel als Backup
Hier kommt der Firesteel ins Spiel.
Auch der hat natürlich eine “Schwäche”: Man muss vorher geübt haben um ihn zuverlässig nutzen zu können!
Er ist in der Praxis: kein Ersatz, sondern ein Backup
Im Alltag nutzt man meist:
- Feuerzeug
- Streichhölzer
Aber: Wenn diese ausfallen, bleibt der Firesteel-solange ich noch Material sehe funktioniert er auch. Egal ob es naß oder kalt ist.
Firesteel ist nicht gleich Firesteel
Es gibt viele unterschiedliche Modelle.
Die Unterschiede liegen vor allem in:
- Legierung
- Härte
- Funkenverhalten
Die genaue Zusammensetzung ist oft nicht bekannt, da Hersteller sie geheim halten.
Grundsätzlich unterscheidet man:
Harte Firesteels
- halten länger
- schwerer Material abzutragen
- dafür meist höhere Funkenausbeute
- durch erhöhten Kraftaufwand oftmals kein nahes platzieren am Zundernest möglich (durch größere Bewegung besteht die Gefahr das Zundernest zu zerstören)
Weiche Firesteels
- erzeugen leichter Funken
- nutzen sich schneller ab
- erlauben sehr präzises platzieren der Funken auf dem Zunder
Welche Variante besser ist, ist letztlich Geschmacks- und Übungssache

Der wichtigste Faktor: Technik
Nicht nur der Firesteel ist entscheidend – sondern vor allem:
die Technik
Dazu gehören:
- der richtige Winkel
- der richtige Druck
- die Bewegung
Der Striker (Schaber)
Das Metallstück, mit dem Funken erzeugt werden, nennt man:
Striker
Der Striker wird oft unterschätzt was die Funkenausbeute angeht. Ein vielleicht mittelmäßiger Firesteel kann durch einen guten Striker extrem aufgewertet werden – ohne einen guten Striker geht oftmals nichts!
Ein guter Striker:
- liegt gut in der Hand
- hat eine scharfe Kante
Oft sind Striker so gebaut, dass sie:
- eine runde Seite
- eine scharfe Kante
haben.
Verwendet wird immer die scharfe Kante!
Alternativ verwenden viele Outdoorfreunde gerne den Klingenrücken des Messers. Dieser muss jedoch ebenso wie der Striker einen sehr scharfen 90° Winkel ausweisen. Sehr gut geeignet ist z.B. auch der Sägerücken des Schweizer Taschenmessers.
Winkel und Abstand
Zwei Faktoren sind entscheidend was die Funkenausbeute betrifft:
- Winkel zwischen Striker und Firesteel
- Abstand zum Zunder
Je weiter entfernt du bist, desto geringer ist die Chance, dass der Funke zündet. Die Funken haben eine Temperatur von ca. 2.000 Grad, jedoch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Das ist der Moment in welchem der Funke das Zundernest treffen und entzünden muss.
Entscheidend ist dabei der richtige Winkel und eine saubere Technik – wie man auf dem Bild gut erkennen kann.

Übung ist entscheidend
Ein Firesteel funktioniert nicht „automatisch“.
Nur weil man ihn dabei hat, heißt das nicht, dass man auch ein Feuer anbekommt.
Deshalb gilt:
Üben, üben, üben
Nicht nur die Kraft ist entscheidend, sondern auch die Technik…
Gute Materialien zum Üben
Um erfolgreich ein Feuer entzünden zu können muss die Oberfläche des Zunders sehr gut vorbereitet werden. Das heißt dass wir für die sehr kleinen und vergänglichen Funken ein schönes Nest vorbereiten müssen. Je feiner das Material ist, desto größer sind die Erfolgsaussichten auf ein Feuer. Dass der Zunder so trocken wie nur irgendwie möglich sein sollte, versteht sich wohl von selbst. Daher gilt auch im Sommer, den Zunder niemals auf dem Boden zu lagern. Besser ist, man erstellt ein kleines Gitterfeuer.
Für Anfänger eignen sich:
- aufgetrennte Wattepads
- aufgetrennte Tampons
- feine Zellstoffe
Diese haben:
große Oberfläche
entzünden sich leicht
Steigerung der Schwierigkeit
Mit zunehmender Übung:
- Birkenrinde
- Kienspan
- natürliche Zunder
Fortgeschrittene Übung
Mit guter Technik kann man sogar:
eine Kerze mit dem Firesteel entzünden
Dafür:
- Docht aufrauen
- Firesteel sehr nah führen
- gezielt Funken setzen

Vorteile des Firesteel
Die Vorteile sind entscheidend:
- unabhängig von Temperatur
- funktioniert auch bei Kälte
- bei Nutzung des Messerrückens wenig Fingergefühl (z.B. bei Kälte) notwendig – jeder der schon einmal das Vergnügen hatte mit stark unterkühlten Fingern Streichhölzer oder ein Feuerzeug zu bedienen, wird dies besonders zu schätzen wissen
- auch nach Wasserkontakt sofort einsatzbereit
- kein Gas
- keine empfindliche Technik
Solange Material und ein Striker vorhanden ist, entstehen Funken
Fazit: Warum ein Firesteel dein bestes Backup ist
Der Firesteel ist eines der zuverlässigsten Werkzeuge zur Feuererzeugung.
Er ersetzt kein Feuerzeug, aber:
Er ist das ultimative Backup
Voraussetzung:
- regelmäßiges Üben
- Umgang mit verschiedenen Zundermaterialien
- Verständnis für Technik
Wer das beherrscht, kann:
unter nahezu allen Bedingungen ein Feuer entzünden








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