Zu Hause bleiben statt fliehen („Bug In“)
Ist es überhaupt sinnvoll, das eigene Zuhause bei einer Katastrophe, wie z. B. einem Blackout, zu verlassen?
Es klingt für eine Outdoor-/Survivalseite vielleicht im ersten Moment seltsam, dass das überhaupt in Betracht gezogen wird, da wir uns ja auf einen Aufenthalt außerhalb unserer Wohnung vorbereiten. Aber die Outdoor-Strategie muss nicht immer und für alle die beste Lösung sein. Gehen wir also direkt in die Überlegungen zum BUG IN oder eben zum BUG OUT.
Zuhause zu bleiben hat eine ganze Menge nicht zu unterschätzender Vorteile, die wir jetzt beleuchten wollen. Dennoch sollte auch ein BUG IN gut vorbereitet werden.
1. Das Zuhause ist die beste Festung
- Dort befinden sich bereits:
- Vorräte
- Werkzeuge
- Schutz vor Witterung
- (rudimentärer) Schutz vor anderen Menschen
- vertraute Umgebung
- im besten Fall eine Gemeinschaft mit den Nachbarn
- Ablenkung (z. B. Spiele für Kinder)
2. Vorbereitung des Hauses
Wichtige Schwerpunkte:
Wasser – ohne Wasser geht gar nichts!
- Vorräte für mindestens 72 Stunden, besser 2–4 Wochen
- Möglichkeiten zur Aufbereitung:
- Filtern
- Abkochen
- chemische Desinfektion
- Behälter, um Wasser von Notbrunnen/Bach o. ä. besorgen zu können. Z. B. Faltkanister
- Das Wasser aus staatlichen Notbrunnen muss i. d. R. aufbereitet werden, da es keiner ständigen Kontrolle unterliegt. Im Klartext heißt das: Wasser aus Notbrunnen ist kein Trinkwasser!
Lebensmittel
- lagerfähige, kaloriendichte Nahrung
- Rotation nach dem „First In – First Out“-Prinzip – niemand mag verschimmelte Marmelade….
- kein Kochen voraussetzen (Aufmerksamkeit vermeiden, Brennstoff Beschaffung vermeiden)
Energie & Licht
- Taschenlampen, Batterien vorhalten
- Kerzen nur mit Vorsicht – geeigneten Feuerlöscher und/oder Eimer mit Sand bereithalten! Fettbrände (Kerzen) nicht mit Wasser löschen! Das gibt “schöne” Fettexplosionen und innerhalb einer Sekunde brennt das gesamte Zimmer!
- alternative Koch-/Heizquellen (Kohlenmonoxid beachten! Ggf. Warnmelder aufstellen)
- Licht nur extrem sparsam einsetzen (Aufmerksamkeit vermeiden)
- Powerbank für Handy
- der Wärmeerhalt ist in den eigenen vier Wänden wesentlich einfacher als im Wald
- entspannteres schlafen im Bett als im Wald
3. Sicherheit des Wohnraums
- Türen und Fenster verstärken
- z. B. ein einfacher Keil unter der Tür verschafft wertvolle Zeit
- Ggf. Fenster von außen mit Maschendraht gegen Wurfgeschosse sichern
- Transparente Folien + Klebeband vorhalten, um notfalls ein Fenster reparieren zu können
- unauffälliges Verhalten, d. h. das Verhalten der Masse anpassen. Wenn z. B. Essen oder Wasser verteilt wird, hingehen und mitnehmen – unabhängig davon, ob man es braucht oder nicht.ABER: Risiken von körperlichen Konfrontationen mit hungrigen Menschen abwägen
- Nachbarschaft beobachten
- Garten/Terrasse können mit Stolperdraht/Alarmfallen bestückt werden
- Solarbetriebene Bewegungsmelder können im Sommer gut funktionieren
4. Hygiene und Gesundheit
- Müllentsorgung planen
- improvisierte Toilette vorhalten (Campingklo) oder eine Ecke auf dem Grundstück definieren
- Körperpflege zur Krankheitsvermeidung – täglich zumindest eine Katzenwäsche
5. Familien- und Gruppenorganisation
- Rollen festlegen – jeder hat eine Aufgabe
- Wachen einteilen – nicht nur wegen potenzieller Plünderer, sondern auch wegen möglicher Wohnungsbrände (Nachbarwohnung/Nachbarhaus)
- Kommunikationsplan mit Freunden/Familie vorher festlegen
- Tagesstruktur aufrechterhalten
- Kinder beschäftigen, Stress reduzieren, analoge Spiele vorhalten
6. Psychologische Aspekte
- Normalität bewahren
- Routinen schaffen
- Nachrichtenkonsum begrenzen (Kurbelradio vorhalten!)
- Hoffnung und Zielorientierung erhalten
7. Wann doch gehen?
- Flucht („Bug Out“) ist nur sinnvoll, wenn:
- unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht (z. B. Plünderungen)
- das Gebäude nicht mehr sicher ist (z. B. Feuer, ggf. auch in der Nachbarwohnung …)
- Ressourcen komplett ausfallen (kein Wasser, Essen, …)
- hygienische Katastrophe (z. B. Toilette im MFH ohne Spülung, Abwasser kommt in die Wohnung beim Pumpenausfall, Müll wird nicht abgeholt – Ratten und Ungezieferbefall …)
- moralische Aspekte (kann ich den Nachbarn mit seinen Kindern hungrig wegschicken, wenn ich noch Essen habe?)
Die Entscheidung, ob BUG IN oder BUG OUT, ist also in jedem Fall individuell zu sehen. Je nach persönlicher Wohnlage, Fitness, Jahreszeit, Ausrüstung und Outdoor-Skills kann ein BUG OUT durchaus sinnvoll sein. Einfach planlos mit einem Rucksack in den Wald zu rennen und auf das Beste zu hoffen, ist allerdings mit Sicherheit keine gute Idee. Es bedarf Vorbereitung und sorgfältiger Planung, damit der Ausflug in den Wald nicht nach 2 Tagen wieder endet.
Fakt ist: Diese Vorbereitung kostet sehr viel Zeit und auch etwas Geld. Eine gute Idee ist es, wenn man sich in einer kleinen Gruppe so aufteilt, dass jeder einen kleinen „Fachbereich“ übernimmt, sich dort einarbeitet und dann die anderen darin schult. Z. B. einer befasst sich ausgiebig mit Navigation (Karte und Kompass, GPS, …), ein weiterer mit Kommunikation (Funk o. ä.), usw.
Wer sich damit einmal befasst hat, merkt schnell: Das Thema BUG OUT ist wesentlich umfangreicher als BUG IN und nicht zufriedenstellend in einem Blogartikel zu greifen.









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