Oder: Wie vermeide ich eine “Verschlimmbesserung”
Dass uns in einer Notlage eine körperliche Beeinträchtigung (Verletzung/Erkrankung/Schwäche) unnötig belastet, ist wohl jedem klar.
In einer echten Notfallsituation ist die beste Medizin die, die man gar nicht braucht. Wer vorbereitet ist (auch mental !), minimiert Risiken und kann kleinere Blessuren und Beschwerden mit dem behandeln, was die Natur direkt vor Ort bietet. Damit es möglichst gar nicht dazu kommt dass wir uns behandeln müssen fassen wir die wichtigsten präventiven Maßnahmen und einige Pflanzliche Helferlein in diesem Artikel zusammen.
1. Prävention ist alles
Ist der Körper im Stress (wie er in einer Survival-Situation automatisch entsteht) fährt das Immunsystem herunter. Deshalb sind folgende Grundregeln entscheidend:
Ausreichend trinken – mindestens 3 Liter pro Tag, im Winter oft deutlich mehr. Im Winter merkt man den Durst kaum, deshalb bewusst in kleinen Schlucken über den Tag verteilt trinken.
Merksatz: Lieber viele kleine Portionen, als große Mengen auf einen Schlag.
Vitamin C kann man sehr gut über Kiefernadeltee decken. Kiefernadeln (die langen, paarweise wachsenden) haben einen hohen Vitamin-C-Gehalt und sind ganzjährig verfügbar.
Dazu lässt man die Kiefernnadeln gut 10 Minuten kochen und dann nochmal gute 15 Minuten ziehen.
Eine weitere sehr gute Vitamin-C-Quelle sind Hagebutten. Auch diese sind bis in der Regel bis weit in den Winter verfügbar.
Pflanzliche Helfer: u.a. Brennnessel, Kiefernnadeln, Hagebutten
2.Energie sparen
Langsam und bewusst bewegen, besonders im tiefen Schnee (Schritt – Pause – Schritt). Jede eingesparte Kalorie muss nicht nachgeliefert werden.
3. Schutz vor Verletzungen
Handschuhe beim Arbeiten mit Holz und Messer tragen.
Ein Splitter im Finger ist nicht lebensbedrohlich, aber massiv ärgerlich!
Nie mit offenem Messer herumlaufen – immer wegstecken, bevor man sich bewegt.
Sichere Arbeitspositionen einnehmen (Messer nie zwischen den Beinen führen).
Auf den zweiten Tag besonders achten – dann passieren die meisten Schnittverletzungen, weil die Aufmerksamkeit nachlässt und man nicht mehr voll konzentrationsfähig ist (Schlafmangel/Dehydrierung).
Im Outdoorbereich können auch kleine, verdreckte Schnitte schnell zu gefährliche Infektionen werden.
Bei kleinen Schnitte oder Insektenstichen helfen folgende
pflanzliche Helfer: u.a. Breit- und Spitzwegerich, Schafgarbe, Gundermann, Johanniskraut
Top-Empfehlung:
Schafgarbe: Der absolute Klassiker bei kleinen Schnitten und Schürfwunden.
Wirkung: Blutstillend, desinfizierend, entzündungshemmend und wundheilend.
Anwendung: Frische Blätter zerquetschen (Saft austreten lassen) und direkt als Auflage oder Verband auf die Wunde legen. Auch als Teeaufguss für Umschläge geeignet.
Oder, viel weiter verbreitet:
Breitwegerich / Spitzwegerich: Überall am Wegrand zu finden – die „Notfallpflanze“ schlechthin.
Wirkung: Desinfizierend, entzündungshemmend, wundheilend und reizlindernd durch Gerbstoffe und Schleimstoffe.
Anwendung: Frisches Blatt zerquetschen und direkt auf die Wunde legen (kann man sogar um den Finger wickeln). Sehr praktisch unterwegs. Hat mir mal bei einem Bremsenstich sehr geholfen!
4. Tägliche Hygiene
Jeden Tag Katzenwäsche: Füße, Genitalbereich/Oberschenkelinnenseiten, Achseln und Gesicht waschen.
Einmal pro Woche möglichst den ganzen Körper reinigen.
Füße trocken und sauber halten – nasse, rissige Füße können die Tour schnell beenden.
Gegen Wolf (wundgescheuerte Haut) helfen Waschen, Trockenhalten und ggf. Abkleben mit Tape.
Hände nach jedem Toilettengang und vor dem Essen waschen (notfalls mit Birkenzweigen als Zahnbürste oder Kastanien-/Eichel-Lauge als Seife).
Siehe hierzu auch den ausführlichen Blogartikel zur Outdoorhygiene.
5. Schlaf
„8 Stunden Schlaf plus ausreichend Flüssigkeit = Überleben.“
Ohne guten Schlaf lässt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit rapide nach.
Tipps für besseren Schlaf im Freien:
Abends warm essen (idealerweise mit Fleisch).
Vor dem Schlafen trockene Socken und T-Shirt anziehen.
Jacke lieber über den Schlafsack legen statt mit hinein zu nehmen.
Ganz wichtig: Ausreichende Bodenisolierung!
Nicht in den Schlafsack atmen (Feuchtigkeit zerstört die Isolierung) – lieber Mütze + Buff/Schal übers Gesicht.
Möglichst nicht nachts aufstehen müssen – letzte Flüssigkeitsaufnahme früh am Abend, ggf. eine Weithalsflasche mit in den Schlafsack nehmen….Einige Pflanzen helfen unser Nervenkostüm zu beruhigen und besser zu schlafen.
Pflanzliche Helfer: u.a. Lindenblüten, Hopfen, Kamille, Lavendel
Top-Empfehlung:
Lindenblüten: Frische Blüten: 2 Teelöffel pro Tasse (ca. 250 ml) heißes Wasser.
Getrocknete Blüten: Nur 1 Teelöffel pro Tasse (weil sie konzentrierter sind).
Zubereitung:
Die Blüten (mit dem Hochblatt) mit kochendem Wasser übergießen.
5–10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
Abseihen oder einfach mittrinken.
Der Tee schmeckt angenehm mild-süßlich und entfaltet seine beruhigende, nervenstärkende und schlaffördernde Wirkung auch frisch sehr gut.
Wichtige Hinweise
Sammle nur voll aufgeblühte, gesunde Blüten an einem trockenen, sonnigen Tag (nicht nach Regen).
Frische Blüten haben etwas weniger konzentrierte Wirkstoffe als getrocknete, deshalb die etwas höhere Dosierung.
Die beruhigende Wirkung (durch ätherische Öle wie Linalool) ist bei frischen Blüten ebenfalls vorhanden – besonders abends als Einschlaftee geeignet.
6. Verletzungen am Bewegungsapparat vermeiden
Häufige Verletzung: Verstauchungen und Bänderzerrungen/risse die durch unkonzentriertes laufen oder schlicht durch Leichtsinnigkeit verursacht werden.
Merksatz: “Don`t Do Stupid Things”
Abkürzungen abseits der Wege und Sprünge über kleine Gewässer etc. verursachen im schlimmsten Fall mehr Probleme als sie im besten Fall nützen können.
Sofortmaßnahmen:
Kühlen (im Winter Schnee/Eis)
Hochlagern
Strammen Verband (max. 30 Minuten, dann lockern)
Schuh möglichst geschlossen lassen, solange die Schwellung zunimmt.
Bei Prellungen (Blutergüssen, Quetschungen, stumpfen Verletzungen) eignen sich folgende heimische
pflanzliche Helfer: u.a. Beinwell, Gundermann, Breitwegerich, Schafgarbe
Top-Empfehlung:
Beinwell: Eine der besten Pflanzen bei Prellungen, Zerrungen und Blutergüssen. Die Wurzel (und Blätter) enthält Allantoin, das die Zellregeneration fördert, abschwellend und schmerzlindernd wirkt.
Anwendung: Frische oder getrocknete Wurzel/Blätter als Umschlag oder Brei auflegen (kalt angesetzt oder leicht erwärmt).
Fazit
Wer präventiv denkt, sich gut pflegt, ausreichend schläft und die wichtigsten Heilpflanzen kennt, ist einer echten Notlage schon einen großen Schritt voraus. Die Natur hält viele Lösungen bereit – aber die beste Lösung bleibt immer: gar nicht erst in die Situation kommen.








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