In der Outdoor- und Bushcraft-Szene scheiden sich beim Thema Biwaksack oft die Geister.
Die einen halten ihn für überflüssiges Zusatzgewicht, die anderen würden niemals ohne einen losziehen.
Dabei ist es ein bisschen so wie mit unseren geliebten Messern– man kann stundenlang über Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle diskutieren oder ob ein Biwaksack überhaupt sinnvoll ist.
Schauen wir uns deshalb einmal an, welche Vor- und Nachteile ein Biwaksack tatsächlich mit sich bringt – und warum er für viele Outdoorer ein extrem nützlicher Ausrüstungsgegenstand sein kann.
Und vorweg geschickt: Ich gehöre zu denen, die den Biwaksack lieben..
Die Nachteile eines Biwaksacks
Beginnen wir fairerweise mit den negativen Punkten.
Zusätzliches Gewicht und Packmaß
Ein Biwaksack ist natürlich ein weiterer Ausrüstungsgegenstand, den man zusätzlich transportieren muss. Je nach Modell kann das:
- ggf. eingeschränkter Schlafkomfort durch zusätzliche enge Hülle
- bei Seitenschläfern und zu engen Biwaksäcken Wärmeverluste durch Kompression
- Kondenswasserbildung im Inneren und daher einen feuchten Schlafsack
bedeuten.
Auf jeden Fall bedeutet das immer zusätzliches Gewicht und zusätzlichen Stauraum der benötigt wird.
Gerade ultraleicht orientierte Wanderer verzichten deshalb häufig bewusst darauf. Aber auch wenn man mit einem Zelt unterwegs ist, macht ein Biwaksack im Grunde wenig Sinn. Ebenso in warmen und gesichert trockenen Gebieten.
Gute Modelle kosten Geld
Ein hochwertiger, wasserdichter und atmungsaktiver Biwaksack ist in der Regel nicht billig.
Besonders Modelle mit:
- guter Atmungsaktivität
- robustem Material
- verschweißten Nähten
können schnell teuer werden.
Kondenswasser kann ein Problem sein
Das ist vermutlich der größte echte Kritikpunkt.
Vor allem günstige oder wenig atmungsaktive Modelle neigen dazu, dass sich im Inneren Kondenswasser bildet.
Der Schlafsack wird dann nicht von außen nass, sondern von innen durch Körperfeuchtigkeit leicht feucht.
Gerade bei Daunenschlafsäcken sollte man deshalb auf einen möglichst atmungsaktiven Biwaksack achten. Bei Schlafsäcken mit Kunstfaser oder Wollfüllung ist das aber normalerweise kein echtes Problem.
Warum ein Biwaksack trotzdem extrem sinnvoll sein kann
Und damit kommen wir zu den vielen Vorteilen.
Schutz des Schlafsacks

Der offensichtlichste Vorteil:
👉 Der Biwaksack schützt den Schlafsack.
Natürlich vor:
- Regen
- Tau
- Nebel
- Bodenfeuchtigkeit
- spitzen Stöckern oder Steinen
Aber eben auch vor ganz banalen Verschmutzungen.
Wer häufiger draußen schläft, kennt das:
- feuchter Waldboden
- Harz
- Laub
- Schnecken
- Vogelkot
Gerade Schnecken hinterlassen auf einem guten Schlafsack ziemlich unangenehme Spuren. Auf einem Biwaksack ist das deutlich weniger tragisch da dieser einfach abgewaschen werden kann.
Schutz vor Feuchtigkeit
Ein guter Biwaksack ist wasserdicht oder zumindest stark wasserabweisend.
Das ist besonders wichtig bei:
- Daunenschlafsäcken
- kalten Nächten
- hoher Luftfeuchtigkeit
Denn verliert ein Daunenschlafsack Feuchtigkeit, verliert er auch einen großen Teil seiner Dämmleistung.
Der Biwaksack fungiert hier als zusätzliche Schutzschicht.
Mehr Wärmeleistung
Ein oft unterschätzter Vorteil:
Ein Biwaksack ist in der Regel winddicht. Das heißt der Windchilleffekt der für uns im Schlafsack und stark windiger Umgebung einen unangenehmen Wärmeverlust zur Folge haben kann, entfällt praktisch.
👉 Ein Biwaksack erhöht die Wärmeleistung des Schlafsystems.
In der Praxis kann ein guter Biwaksack:
- etwa 3–5 °C zusätzliche Wärmeleistung bringen
Der Grund:
Im Inneren bildet sich eine Art Zwischenklima zwischen:
- Außentemperatur
- Schlafsack
Gerade bei:
- Wind
- hoher Luftfeuchtigkeit
- kalten Nächten
macht das einen deutlichen Unterschied.
Ranger Roll – schnelles Schlafsystem
Wer etwas „preppermäßiger“ oder einfach praktisch unterwegs ist, kann den Biwaksack auch für eine sogenannte:
👉 Ranger Roll
nutzen.
Dabei werden:
- Schlafsack
- Isomatte
- ggf. weitere Ausrüstung
direkt im Biwaksack zusammengerollt.

Das hat mehrere Vorteile:
- extrem schneller Auf- und Abbau
- kompakte Einheit
- alles bleibt zusammen
- schnell außen am Rucksack befestigt
Gerade mit einer Schaumstoffmatte funktioniert das hervorragend.
Gewässerüberquerung
Ein Punkt, den viele gar nicht bedenken:
Ein wasserdichter Biwaksack kann auch als improvisierte Transporthilfe dienen.
Das gesamte Equipment kann darin verstaut werden.
Der verschlossene Biwaksack funktioniert dann ähnlich wie:
- eine Boje
- Pochopaket
und kann bei einer Gewässerüberquerung:
- geschoben
- oder hinterhergezogen
werden.
Natürlich ersetzt das keine professionelle Schwimmhilfe – als Notlösung kann es aber sehr hilfreich sein.
Schuhe und Kleidung trocken halten
Nimmt man einen etwas größeren Biwaksack, können zusätzlich:
- Schuhe
- Jacke
- Kleidung
über Nacht mit hineingenommen werden.
Das hat große Vorteile:
Schutz vor Tau und Nebel
Gerade morgens werden draußen liegende Gegenstände oft:
- feucht / nass
- kalt
Im Biwaksack bleiben sie deutlich trockener und die Wahrscheinlichkeit von “Besuchern” in Hose und Schuhen ist deutlich reduziert.
Schutz der Ausrüstung vor Frost
Im Winter ist das besonders angenehm.
Innerhalb des Biwaksacks entsteht eine höhere Temperatur als außerhalb (s.o.).
Dadurch verhindern wir häufig, dass:
- Schuhe einfrieren
- Kleidung steif und kalt wird
Wer morgens schon einmal gefrorene Schuhe anziehen musste, weiß diesen Vorteil schnell zu schätzen.
Als Erste Hilfe-Ausrüstung
Wenn wir einen Unfall in unserer Gruppe haben oder zu einer verunfallten Person kommen, ist der Wärmeerhalt eine der wichtigsten Aufgaben für uns als Ersthelfer. In der Regel hüllt man die Person dafür in eine Rettungsdecke. Hier kann ein Biwaksack aufgrund seiner Winddichtigkeit ebenfalls sehr gute Dienste leisten. Wenn die Person noch in der Lage ist (Unterkühlung), kann sie sich im Biwaksack langsam aufwärmen, was aufgrund der Größe des Biwaksacks und der 360° Abschirmung wesentlich effektiver ist als eine übergelegte Rettungsdecke. Gerade wenn es zusätzlich noch sehr windig ist. Auch hier ist die Dämmung zum Boden zu beachten!
Welcher Biwaksack ist sinnvoll?
Eine konkrete Empfehlung zu geben ist – wie schon bei den Schlafsäcken– nahezu unmöglich. Es kommt ganz darauf an was “mein” Biwaksack können muss. Ich stelle Euch vier Modelle aus meinem Besitz mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Natürlich gibt es noch X-andere Modelle, aber ich denke das ist ein ganz guter Querschnitt.
Gebrauchte Militärware kaufen?
Bei gebrauchten Militär-Biwaksäcken solltet Ihr bedenken dass diese u.U. viele Jahre im Gebrauch waren. Das hat zur Folge dass die Imprägnierung/Atmungsaktivität mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr gegeben ist, da diese oft auch -zumindest leicht- verschmutzt verkauft werden. Das heißt konkret dass ihr ggf. noch die Kosten für spezielles Waschmittel und eine besondere Imprägnierung zum Kaufpreis addieren müsst.
Gewicht und Packmaß können, je nach Modell, erhebliche Unterschiede ausmachen hier zwei Extreme im Vergleich (der Varusteleka ist in einem Carinthia Kompressionssack).

Als “Referenz” habe ich unter die verschiedenen Modelle immer den Varusteleka Thermal Cloack Thermoumhang als größtes Modell in meinem Besitz gelegt, den ich sehr gerne ich als Biwaksack nutze.
Zur Orientierung: Er hat ausgelegt die Maße 216 x 108 cm.
Varusteleka-Thermal cloak
Dieser Ausrüstungsgegenstand ist im Grunde mehr als ein reiner Biwaksack, aber aufgrund seiner Multifunktionalität sehr interessant. Durch die Dämmung und den Einbau einer wärmereflektierenden Schicht, ähnlich einer Rettungsdecke, ist er sogar als leichter Sommerschlafsack nutzbar. Das macht sich natürlich auch in Preis und Gewicht bemerkbar.

Packmaß: 35 x 15 x 15 cm
Maße ca: 216 x 108 cm
Gewicht ca: 1.300g
Material:
Schale und Futter: 100 % Polyamid
Isolierung: Climashield Apex und
wärmereflektierende Polyurethan-Beschichtung
Pro:
- sehr viel Platz
- multifunktional als Biwaksack,
- Notunterkunft,
- Regenmantel,
- Sommerschlafsack verwendbar
- 100% wasserdicht
Contra:
- praktisch gar keine Atmungsaktivität
- Gewicht ca 1.3 kg
- relativ teuer

Sir Joseph-Krywan (altes Modell)
Dieser Biwaksack ist für die absoluten Minimalisten geeignet.

Packmaß: ca. 8 x 25 x 8 cm (B x H x T)
Maße: ca. 230 x 85 / 55 cm (L x B)
Gewicht inkl. Tasche: ca. 500 g
Material:
ExelDry ® Membran
Pro:
- extrem kleines Packmaß
- sehr leicht (ca: 500g)
- kann am Kopfende komplett verschlossen werden
Contra:
- sehr enger Schnitt der u.U. Schlafsäcke leicht komprimiert (Seitenschläfer)
- sehr unbequemer Einstieg über die enge Kopföffnung
- relativ teuer

MFH- Nachbau des Amerikanischen Militär-Biwaksacks

Packmaß: ca. 10 x 35 x 10 cm (B x H x T)
Maße: ca. 220 x 75 / 48 cm (L x B)
Gewicht inkl. Tasche: ca. 1,00 kg
Material:
3-Lagen Laminat
1. Lage: 100 % Polyester
2. Lage: Polyester-Membran
3. Lage: 100 % Polyester
Pro:
- angenehme Größe
- sehr großer Einstieg über den seitlichen Reißverschluss
- relativ günstig in der Anschaffung
Contra:
- meiner Erfahrung nach relativ starke Kondenswasser-Bildung
- Gewicht ca: 1 kg

Goretex DPM Biwaksack der britischen Armee (gebraucht)

Packmaß: ca. 10 x 35 x 10 cm (B x H x T)
Maße: ca. 240 x 90 / 50 cm (L x B)
Gewicht ca. 800g
Material:
Goretex
Pro:
- angenehme Größe
- trotz Kopfeinstieg sehr bequem einzusteigen (90 cm Breite)
- sehr günstig
- Goretex Membran
Contra:
- muss ggf. gereinigt/imprägniert werden (s.o.)

Fazit – sinnvoll oder unnütz?
Ein Biwaksack ist sicherlich kein Ausrüstungsgegenstand, den jeder zwingend benötigt- für einen Survivalkurs z.B. ist dieser im Grunde gar nicht notwendig.
Trotzdem überwiegen aus meiner Sicht die Vorteile deutlich.
Ein guter Biwaksack:
- schützt den Schlafsack
- erhöht die Wärmeleistung
- hält Feuchtigkeit fern
- schützt Ausrüstung
- ermöglicht schnelle Schlafsysteme
- bietet zusätzliche Sicherheitsreserven
- kann in warmen Sommernächten in Deutschland schon ausreichen
- ist in Verbindung mit einem Poncho ein sehr guter Regenschutz (Tarp kann entfallen)
Gerade für Menschen, die regelmäßig draußen unterwegs sind, ist ein Biwaksack meines Erachtens nach deshalb ein sehr sinnvoller zusätzlicher Ausrüstungsgegenstand.








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